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Spielstädte 2004 – 2007
1 Kurzer Überblick Zeitrahmen: 2004, 2005 jeweils 10 Tage zum Ende der Sommerferien, 2006 9 Tage in den Herbstferien, 2007 5 Tage in den Herbstferien geöffnet jeweils von 10.00Uhr bis 16.00 Uhr Ort: 2004, 2005 Bolzplatz und Sporthalle der Grillo Grundschule – Grillostr 63. Gelsenkirchen Schalke, 2006 und 2007 Alfred Zingler Haus, Magaretenhofstr. 12 Gelsenkirchen Altstadt Kinder: Jeden Tag machten zwischen 80 bis 150 Kinder mit Dies geschieht in Spiel und Aktionsinseln (Gewerken) und „Pufferaktivitäten“ (Feste, Sport, Zirkus, Versammlungen, Pausen usw.) MitarbeiterInnnen: Mindestens 20 Personen der SJD Die Falken Unterbezirk Gelsenkirchen, DGB Jugend Gelsenkirchen und der Spielwerkstadt Rhinozeros Essen, dazu noch Mitarbeiter bei Aufbau und Abbau und Koordination
Schwerpunkte: 2004 Von der Bergarbeiterstadt zur Solarstadt 2005 Energie gewinnen und verbrauchen 2006 Berufe kennen lernen 2007 Berufe kennen lernen
2 Pädagogische Hintergrund Was ist eine Spielstadt? Ein Ort in dem Kinder (Schwerpunkt Grundschulalter), das Leben in einer Stadt handfest erleben können. Die Erwachsenen stellen ihnen einen räumlichen und organisatorischen Rahmen ihn denen die Kinder „Stadt“ spielen. Dieser Rahmen ermöglicht es Ihnen, sich nach den eigenen Interessen zu organisieren und mit den Notwendigkeiten einer „Kommune – Gemeinwesen“ und den einzelnen „Gewerken –Berufen“ spielerisch handelnd auseinander zu setzen. Wenn der Rahmen steht greifen die Erwachsenen nur wenig steuernd ein, die Aufgabe in einer Stadt zu leben und zu arbeiten wirkt für sich und hat für die Kinder eine hohe motivierende Komponente. Spielstädte haben, im Kontrast zu schulischen Lernen einen hohen Freiheitsgrad, man ist „Schreinerin“ oder „Müllmann“, wenn man es will und Bürgermeister, wenn man gewählt wird
Warum Spielstädte? Die aktive Beteiligung der Kinder an den, sie betreffenden Dingen wird heute kaum noch in Frage gestellt. Soll Partizipation nicht vordergründig bleiben und pseudowirkungsvoll sein, müssen Kinder die Notwendigkeit, Strukturen, Mechanismen und Wirkungsweisen demokratischer Organe, Einrichtungen, Berufe, Ämter etc. kennen und begreifen (bitte wörtlich nehmen) und mit ihnen umzugehen lernen. Besonders für Kinder aus „sozial schwachen“ Wohngebieten und ausländische Kinder bedürfen einer besonders handlungsorientierte und spielerischen Einführung und Motivation. Auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 100 Jahre mit dem Aufstieg und Niedergang des Kohlebergbaus und der Montanindustrie hat sich in Gelsenkirchen eine sehr bunte Bevölkerungsmischung mit vielen kulturellen und sozialen Unterschieden herausgebildet. Diese sind im Ruhrgebiet und besonders in Gelsenkirchen sehr groß. Wie trotz hoher Arbeitslosigkeit und industriellen Wandel ein gemeinsames Leben miteinander immer wieder neu möglich wird sollen die Kinder spielerisch erleben.
Ziele: · Das Funktionieren eines Gemeinwesens erleben und begreifen, selbst handelnd erproben · Weitgehend selbstorganisiert handeln · Ein Stück Geschichte mitten im Ruhrgebiet erleben · Die Frage nach Gemeinsamkeiten, Traditionen, Bräuchen, gesellschaftlichen Strömungen spielerisch stellen und Antworten herausfinden · Die Wichtigkeit des Bergbaus und der Montanindustrie und neuer Berufe und Entwicklungen für die Geschichte Gelsenkirchens erkennen · Gemeinsamkeiten und Bindungen, trotz Unterschiede im Alltag wieder neu erfinden.
Arbeitsweise: In einer „Spielstadt“ erleben die Kinder: · Arbeit, Geld verdienen, Steuern zahlen und Konsum · Selbstorganisiert und selbstverantwortlich Handeln · Demokratie bei Wahlen, Abstimmungen und Gremienarbeit · Wie und warum eine Stadt funktioniert und welche Mühe es kostet, für alle die größtmögliche Zufriedenheit zu erreichen · Lebendige Geschichte erleben · Freizeitgestaltung, Bräuche, Wohnumfeld, Berufe spielend erkennen · Kreative und lustvolle „Zukunftsplanung“
3. Das Programm einer Spielstadt Die interessierten Kinder melden sich in „ihrer“ Stadt an, erhalten die notwendigen „Bürgerpapiere“ und Arbeitserlaubnisse, suchen sich eine Arbeitsstelle oder gründen selbständig eine Unternehmen, arbeiten und konsumieren, zahlen Steuern und Abgaben, wählen u.a. ihren Stadtrat, entscheiden bei Versammlungen die notwendigen Maßnahmen, feiern gemeinsam, treiben Sport, besuchen kulturelle Veranstaltungen, arbeiten in Werkstätten, spielen Theater, beschäftigen sich mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, lernen das Leben in einer „Siedlung“ hautnah kennen etc. Ein Team aus Honorarkräften und Ehrenamtlichen organisiert die Grundstrukturen, stellt Spielräume bereit, motiviert zu Spielprogrammen in denen die Kinder sich bewegen und begleiten das ansonsten eigendynamische „Spiel“ der Kinder durch sparsame Impulsgebung und Lenkung.
Aktionsinseln Gewerke:
Verwaltung und Stadtrat · Rathaus: organisiert das Stadtleben. · Ordnungs- und Einwohnermeldeamt Anlauf? und Infostelle für Kinder · Arbeitsamt vermittelt und steuert die Arbeit der Kinder · Bank und Finanzamt: steuert den Geldfluss
Versorgung · Kantine Küche: sorgt für Verpflegung · Bar – Eisdiele - Bäckerei: sorgt für besondere Verpflegung · Kiosk: Verkauf von Kleinigkeiten und Getränken · Elterngarten: Eltern und erwachsene Besucher betreuen
Dienstleitung · Krankenstation Apotheke: Ambulante und stationäre Behandlung und, Beratung · Post: verteilt Briefe und Pakete · Verkehr Taxi: Transport von Personen und Materialien, Kurierdienste, · Müllabfuhr Müllverwertung Stadtreinigung: hält die Stadt sauber · Zeitung: Herstellung und Verkauf der Lokalzeitung · Frisör Schönheitsfarm frisieren und vieles mehr, · Waschküche Waschen wie in Omas Zeiten
Kultur Freizeit · Theater: Schatten- und Menschentheater · Kunstwerkstatt überwiegend Malerei · Sporthalle: Zirkus und Betriebssport
Produktion · Werbeagentur Druckerei: Druck von Flyer und Formularen · Bergbau Krötenpütt · Solarwerkstätten. Herstellung von Produkten mit Solarantrieb · Dekorationswerkstatt Spielzeugfabrik Herstellung von Spielzeug und Dekoartickeln · Schreinerei: Holzarbeiten · Schneidereien Kleidung und andere Textilien produzieren · Schmiede Maschinenfabrik Schmiede und Schlosserarbeiten · Fahrzeugwergstatt: Bau/Reparatur von Taxis aus großen Einkaufswagen · Gärtnerei: Stadtbegrünung · Maurerwerkstatt: Mauern und Verputzen · Erfinderwerkstatt, Raketen bauen und starten, weitere Geräte konstruieren und bauen. · Schmuck oder Instrumentewerkstatt Herstellung von Schmuck oder Musikinstrumente · Musik und Filmstudio Herstellung von kleinen Filmen
4 Spielstädte in Gelsenkirchen Die SJD Die Falken UB Gelsenkirchen organisieren jetzt im vierten Jahr eine Spielstadt vor Ort. Viele Kinder waren bei jeder Spielstadt dabei, viele Gruppen haben die Spielstadt auch an einzelnen Tagen besucht es gab an jeden Tag ein fruchtbares Zusammentreffen von „Neuligen“ und „Alteingesessenen“. Sehr bemerkenswert ist die Tatsache, dass nie eine „Polizei“ notwendig war. Die Dienste des Ordnungsamtes reichten immer aus. Die Kinder konzentrierten sich ohne starke lenkende Eingriffe der Erwachsenen auf ihre selbst gewählten Aufgaben. Allerdings sorgten die Mitarbeiter immer für „Vollbeschäftigung“. Wichtig sind dabei auch eine Vielfalt der „Spielinseln“ und eine konkrete, Altersangemessene, überschaubare Tätigkeit. Kulturell- und Bildungsbedingte Unterschiede bei den Kindern spielten für die pädagogischen Mitarbeiter erstaunlich wenig eine Rolle. Die Kinder unternahmen solche integrativen Aufgaben selbstständig, Ausgrenzungen fanden nicht statt, man hatte wichtige Aufgaben zu lösen. Es ist wichtig zu bemerken, dass die äußerst positiven Lernauswirkungen bei den Kindern besonders durch die Mischung zwischen unterschiedlichen Kindern und dem differenzierten Programmangebot einer Spielstadt entstehen. Hier wäre eine Möglichkeit außerhalb der Ferienzeit als Projektwochenangebot für Kinder aus Schulen (Klasse 1 – 6) sehr zu empfehlen. Die Gelsenkirchener SJD – Die Falken und Kooperationspartner haben jetzt im vierten Jahr genug Erfahrungen gesammelt um die Spielstadt Gelsenkirchen zu einem dauerhaften Angebot für Kinder anzubieten.
5 Ausblick Besonders unter dem Gesichtspunkt „Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet 2010“ wäre es sehr sinnvoll Kulturangebote für Kinder zu organisieren, die auch nachhaltige Auswirkungen haben! Die Spielstadt Gelsenkirchen wäre dazu ein sinnvoller Beitrag. Im Überblick könnte eine permanentere Einrichtung einer Spielstadt nach und nach weiter aufgebaut werden: 2008 Zwei Wochen Spielstadt Gelsenkirchen in den Sommerferien als Angebot in der Ferienzeit 2009 Spielstadt Gelsenkirchen in den Sommerferien drei Wochen 2010 Spielstadt Gelsenkirchen als Freizeit und Schulangebot für die Kinder aus dem Ruhrgebiet
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