| Spielräume |
|
Spielräume sind Lebensräume: Räume gestalten – Spielräume schaffen
Die Raumgestaltung (zum Beispiel) in der Kita sollte nicht beliebig sein. Die Räume erzeugen Aufmerksamkeit und wirken intensiv, wenn sie sparsam gestaltet sind. Räume wirken oft über Gefühle indirekt auf das Verhalten, sie erregen zum Beispiel durch Reizüberflutung und beruhigen durch eine angenehme Farbgestaltung. Räume bieten ein differenziertes Wahrnehmungs- und Handlungsfeld, nicht nur für Augen und Ohren. Aber Achtung! Kinder schirmen sich nicht ab, sie sind für alles offen und lassen sich leicht ablenken. Sie sind weniger festgelegt als Erwachsene. Vieles ist für sie neuartig, unbekannt und interessant. Kinder brauchen räumliche Gelegenheiten, ihre Erregung und Entspannung selbst zu regulieren. Gestaltungsmerkmale wie bunt, lichtdurchflutet, weiträumig oder vielfältig sind für die meisten Kinder keine Hilfe. Hell ist nicht automatisch freundlich. Strukturieren statt dekorieren Wenn wir (Kita-)Räume praktisch gestalten, sollten wir sie in Handlungsräume für Kinder strukturieren. Die vorgegebenen Gebäude und Einrichtungsgegenstände sollten wir aufgreifen und nach und nach verändern. Räume müssen wachsen, wir werden immer auf einer „Baustelle leben“. Fertig werden wir nie! Tische und Stühle An Tischen und Stühlen gibt es vielfältige Möglichkeiten, tätig zu werden. Man kann hier essen, puzzeln, basteln und malen oder gemeinsam spielen. Die Menge der Tische mit zugehörigen Sitzgelegenheiten füllt jedoch den Gruppenraum und schließt dadurch viele andere Tätigkeiten aus. Still sitzen lernen ist für bewegte „Forscher und Entdecker“ nicht sinnvoll. Auch zum Ausruhen sind Tische und Stühle schlecht geeignet. Für Frühstück und Mittagessen sollte besser eine für mehrere Gruppen eingerichtete Kantine geschaffen werden. Beim Werken, Experimentieren und künstlerischen Gestalten braucht man unter Umständen Tische, die Stühle stören dabei nur. Böden Der Boden ist ein ideales Handlungsfeld für Kinder. Durch unterschiedliche Gestaltung erfahren Kinder Handlungsmöglichkeiten hautnah. Schränke und breite Raumteilerregale sollten auf das Nötigste reduziert werden. Wichtig ist, den Boden durch Einbauten wie zum Beispiel Podeste und Schrägen zu gestalten. Im Gruppenraum gibt es oft zu wenige und zu gleichförmig gestaltete Bodenflächen. Wände Wände sind ideale Handlungsflächen: Hier gibt es viele Möglichkeiten zu spielen. Durch zusätzlich eingebaute Raumteiler können „Räume“ im Gruppenraum gestaltet werden. Dadurch entstehen Nischen, Höhlen und Rückzugsmöglichkeiten für Einzelne und Teilgruppen. Für Kinder noch erreichbar, können kleine Schaulager angebracht werden: Hier werden ausgewählte und Materialien Platz sparend präsentiert. Für die Kinder nicht mehr erreichbar, bieten Wände viele Möglichkeiten Informationen anzubringen (Kalender, Bilder und mehr). Dort ist auch Platz genug, um Kunstwerke der Kinder zu präsentieren und mit Pflanzen, Farben und Ornamenten geschmackvoll zu dekorieren. Fensterbänke In manchen Einrichtungen können Fensterbänke erweitert und vergrößert werden. Dabei sollte auf Luftschlitze geachtet werden, damit unter den Fensterbänken keine Hitzestaus entstehen. Die tieferen Fensterbänke bieten neue Handlungsflächen, die Tische ersetzen können. Dort kann man besonders die Dinge tun, die viel Licht benötigen. Podeste Podeste können als Boden, Tisch oder Stuhl genutzt werden. Sie strukturieren den Boden, lassen unterschiedliche Höhen und auch schiefe Ebenen zu. Podeste sind einfach selbst zu gestalten. Sie sollten nicht zu groß und schwer sein, damit Erwachsene sie transportieren können. Teilweise bieten Podeste auch Lagerraum für Spielzeug, Matratzen und andere Materialien. Zweite Ebenen Wenn es eng wird, baut man mehrstöckig. Durch eine zweite Ebene haben die Kinder mehr Raum zur Verfügung. Da man dabei viel falsch machen kann, sollten Sie sich zum Beispiel bei der zuständigen Unfallkasse beraten lassen, wenn man den Einbau einer zweiten Ebene plant. Der Blick fürs Ganze Der Gruppenraum in der Kindertagesstätte ist nicht der einzige „pädagogische“ Raum. Auch die anderen Räume wie Garderoben, Eingangsbereiche, Bewegungsräume und Außengelände gehören mit zur Einrichtung. Auch diese Räume „erziehen mit“. Hier gibt es noch viele Möglichkeiten der Gestaltung. (Wolfgang Bort, Leiter der Spielwerkstatt Rhinozeros im Unperfekthaus in Essen) |


